Es ist so weit: Ich verteidige die Hersteller von Barbie.

Monate später mal wieder ein Blogbeitrag. Ich hab mich nämlich grad aufregen müssen. Bin krank zuhause (aua Zahn, aua Hals, armes Nunu-Utsch, sniefsnief) und beim Scrollen auf Facebook bei einer Bloggerkollegin auf diesen Artikel gestoßen: „Niemand will mit der Curvy Barbie spielen„.

Die Grazia schreibt, der Umsatz von Spielzeughersteller Mattel ist eingebrochen, und zwar gewaltig. Mattel hat vor wenigen Monaten höchst medienwirksam endlich auf die jahrzehntelange Kritik reagiert und neben den klassischen Barbies solche mit realistischeren Körperformen auf den Markt gebracht, eine sehr kleine (petite), eine sehr große und eine kurvige. Und jetzt schreibt die Grazia, dass keiner mit der Curvy Barbie spielen will und daher die Umsätze am Sand seien.

Was für ein Kausalbullshit!

Mattel produziert weitaus mehr als nur die Barbie. Hier ein Screenshot von mattel.de:

Bildschirmfoto 2017-05-16 um 13.56.21

Sehr viel Plastik. Nicht nur Barbie. Wobei Barbie sicherlich das Flagschiff ist. Aber die Kritik, dass die echte Barbie nicht lebensfähig wäre, die steht schon in Büchern aus den frühen Neunziger Jahren (und wahrscheinlich wurde sie schon viel früher geäußert)! Mattel hat schlicht und einfach ZU SPÄT reagiert und verliert deshalb grad. Apropos verlieren: Wenn man sich die Umsätze von Mattel in den vergangenen Jahren anschaut, ist das mit „Millonenverluste! Drama! Mattel stirbt!“ auch maßlos übertrieben, wie mir nach einem ca. einsekündigem Googlen die Seite Statista.de ausspuckt:

Bildschirmfoto 2017-05-16 um 13.59.30

Ja, es schaut nicht rosig aus, seit 2013 nimmt der Umsatz kontinuierlich ab, liegt aber immer noch über den Jahren 2005 und 2009. Ich frage mich: Woher nimmt Grazia die Logik, das allein auf die Curvy Barbie zurückzuführen?

Es liegt mir fern, einen Spielzeugkonzern zu verteidigen, der erstens Plastikscheiße in Tonnenmengen produziert, zweitens das Selbstbild von wahrscheinlich zig Millionen Frauen seit den 50er Jahren massiv negativ beeinflusst hat, und drittens einer der Big Player im von mir so innigst gehassten Gender Marketing ist. Grazia nimmt diese Begründung schlicht und einfach aus einer gesellschaftlichen Hypothese heraus: Wie, dicke Barbies? Na das will doch keiner. Das schaut ja anders aus, das entspricht ja nicht den Models in den Zeitungen. Wer will schon dick sein. Lass uns mal in der gleichen Ausgabe schnell noch die Diät-Tipps auf fünf Seiten aufblasen. Ist doch eh klar, dass die dicke Barbie nicht gekauft wird, die ist ja hässlich.

Es liegt also ein gesellschaftliches Problem dahinter. Was Mattel in 60 Jahren kaputt gemacht hat, wird es nicht in wenigen Monaten wieder ändern. Wenigstens gibt es endlich Barbies mit unterschiedlichen Körpern, wenigstens haben Kinder und vor allem ihre Eltern die Wahl, anstatt wahllos die klassische Barbie als das Schönheitsideal schlechthin anzunehmen.

Grazia – gemeinsam mit sicherlich vielen anderen Medien – ist also das eigentliche Opfer in dem ganzen Chose: Die glauben immer noch an das vorherrschende und immer irrealer werdende Schönheitsbild. Problem nur: Sie kommunizieren es auch an andere. Das mit der gesellschaftlichen Medienverantwortung, das müssen sie wohl noch lernen. Hoffentlich, bevor sie Umsatzeinbußen machen, weil keiner mehr ihre Diättipps lesen will….

 

 

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