„Ich beeinflusse Menschen. Und krieg Geld dafür.“

Bin gerade auf YouTube über eine Doku gestolpert, die mich wütend gemacht hat. Nicht, weil totale Neuheiten drin vorkommen, aber weil es so extrem komprimiert viele Bilder und Tatsachen zusammenfasst.

influencer

Letzten Freitag auf einem Festival sind mir mehrere Menschen begegnet, die sich selbst als Influencer bezeichnen. Mich reißts da jedes Mal, ich find das dreist, sich selbst so zu bezeichnen. „Was is dein Job?“ – „Ich beeinflusse Menschen, wieso?“ …Mich beschäftigt das schon eine Weile, und ich stehe immer wieder vor der Frage, was für ein Gedankengang dahintersteckt, wenn eine junge Person „beschließt“, ab jetzt Influencer zu sein. Um Geld damit zu machen und den eigenen Narzissmus zu befriedigen. Für mich ist das nicht nachvollziehbar: Influencer wird man doch erst, wenn sich herausstellt, dass man erstens eine Message (!!!!!!! die über „ich zeig euch was cool ist und was ihr kaufen müsst“ hinaus geht !!!!!) hat und diese zweitens gekonnt unter die Leute bringen kann, sodass diese zuhören. Aber erst dann, doch nicht zu Beginn!

Und was mich noch mehr ärgert: Es wird einfach nicht hinterfragt! Influencer sind dann cool, wenn sie es schaffen, sich viele Follower zu holen. Dann wird in den klassischen Medien über sie berichtet, dann werden sie auf Konferenzen und Podiumsdiskussionen eingeladen, dann bringen sie „Home Stories“, weil sich alles auf ihrer ach so sympathischen Persönlichkeit orientiert, und werden zu Stars. Es greift über auf andere Medien und verändert unseren Blick auf Bilder.

DAS ist der Teil von Instagram und allen anderen Sozialen Medien, der mich so unglaublich nervt. Wenn Social Media zum Selbstzweck wird, um Geld zu machen. All diese tollen Influencer merken nicht, dass sie sich selbst als lebende Litfaßsäule zur Verfügung stellen und dabei für die Firmen ein Geschenk des Himmels sind, weil billiger als klassische Werbemaßnahmen. Sie lassen sich überall mit der Kamera verfolgen. Und alles nur für Likes, Likes, Likes.
Es gibt so viele sogenannte Influencer, dass es zu einem extremen Bewerb untereinander geworden ist, möglichst viel Geld zu machen. Was auf der Strecke bleibt, ist oft echte Meinung und Rückgrat. Und der Nebeneffekt: Es gibt immer mehr Bilder, die falsche Schönheit vorgaukeln, immer mehr „Musthaves“ und „Mustlooks“, wie man auszusehen hat. ES NERVT!
Ich möchte bitte nicht von einer 21-jährigen „Influencerin“ erklärt bekommen, wie super die Antifaltencreme mit Hyaluron bei ihr funktioniert.
Ich möchte bitte nicht von einer sportlichen und mageren Frau erklärt bekommen, wie toll ihr „Flat-Tummy-Tea“ zum Abnehmen funktioniert.
Ich will keine Tipps bekommen, mit welchen Filtern oder Bearbeitungen ich porenfrei aussehe, welches Make-up und vor allem welcher Highlighter „instagram-ready“ ist und wie ich beim Selfiemachen möglichst schlank aussehe und meinen Arsch optimal positioniere.
Wer mich beeinflusst, möcht ich bitte selbst entscheiden. Und ich bin heilfroh, dass ich meine Bauchentscheidung, mit ichkaufnix dieses Spiel, wenn auch auf ökofairer Ebene, NICHT mitzumachen, wirklich verfolgt habe.
Das gibt nämlich wirklich Freiheit auf diesem virtuellen Spielplatz der Eitelkeiten.
ps: und bevor jetzt der Beef losgeht, dass es ja auch ganz andere Influencer gibt: Jo, eh. Nur gibt es die, die ich meine, eben auch wie Sand am Meer.
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2 Gedanken zu “„Ich beeinflusse Menschen. Und krieg Geld dafür.“

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